Fremdbloggen als Herausforderung

Auf einem anderen Blog etwas schreiben zu dürfen, ist eine Ehre und eine Herausforderung. Es putzt den Kopf frei für andere Stilebenen und Anforderungen. Und man kann sich mal ganz anderen Themen widmen.

Lobbyarbeit für Einzelkämpfer

Der Verein der Gründer und Selbstständigen, VGSD e. V., widmet sich schon seit längerem der Lobbyarbeit auch für Einzelkämpfer und hat – mit Unterstützung des BDÜ (Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer) und des BDD – eine aufschlussreiche Studie zu den Belastungen durch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge (Link führt direkt zum PDF) erarbeiten lassen, auf deren Grundlage gerechtere Bedingungen für freiwillige Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung ausgehandelt werden sollen. Die derzeitige Beitragsgestaltung trifft insbesondere Frauen, die neben dem Beruf vielfach noch andere Aufgaben wahrnehmen (zum Beispiel in der Familie oder im Ehrenamt); auch hierzu gibt es eine Studie. Die aktuelle Petition für faire Krankenkassenbeiträge kann man hier nachlesen (und unterzeichnen). Die freien Übersetzer und Dolmetscher haben darüber hinaus weitere Anliegen.

Fragen an die Politik 2017: Wahlprüfsteine

Für den noch jungen Berufsverband DVÜD e. V., der sich ausdrücklich für die Interessen der freien Übersetzer und Dolmetscher in Deutschland einsetzt, durfte ich dieses Jahr „Wahlprüfsteine“ an alle größeren Parteien schicken, in denen es vornehmlich um die Interessen von freiberuflichen bzw. solo-selbstständigen Übersetzern und Dolmetschern ging. Anfang August trudelten die Antworten der Parteien ein, und es galt, diese Informationen kurz und knapp zusammenzufassen.Die Antwort der FDP kam knapp nach Redaktionsschluss; darum ist sie nicht mit auf dem Blogbild, wurde aber noch in die Auswertung einbezogen. Die AfD hat nicht geantwortet.

Die klassische Vorgabe von 300 Wörtern pro Blogbeitrag war unmöglich zu halten, doch jetzt stehen die wichtigsten Aussagen auf dem DVÜD-Blog und eignen sich für letzte Fragen an Kandidaten des eigenen Wahlkreises:

Block A: Europa und die Welt beleuchtet Punkte wie den Stellenwert von Dolmetschern und Übersetzern aus Sicht der jeweiligen Partei, die grenzüberschreitende Niederlassungsfreiheit für Solo-Selbstständige und Wissensarbeiter, Studiengebühren und die Frage, ob alle EU-Vorgaben und Richtlinien vollständig ins Deutsche übersetzt werden sollten.

In Block B: Honorierung von öffentlicher Seite geht um die Entlohnung im Justizwesen nach JVEG und das Community Interpreting – hier wird von unserem Berufsstand wie auch von engagierten Laien jede Menge ehrenamtlicher Einsatz erwartet (als „ehrenamtlich“ stufe ich jede Aufwandsentschädigung ein, die Selbstständigen keine ausreichende Altersvorsorge und Rücklagenbildung ermöglicht). Bisher wird das Community Interpreting z.B. bei medizinischen Themen oder in schwierigen Beratungsgesprächen in Deutschland nicht ausreichend gewürdigt; anderen Staaten (wie die USA oder Australien) haben da tragfähigere Lösungen gefunden.

Block C: Freiberufler in Deutschland greift Fragen zu bürokratischen Erleichterungen für Solo-Selbstständige und Wissensarbeiter auf (warum misst man uns eigentlich an den Maßstäben von Großunternehmen mit EDV-Abteilung und eigener Buchhaltung?), zur Altersversorgung und Rücklagenbildung und zur schon oben genannten Beitragsgestaltung in der GKV.

Übersetzer und Wissensarbeiter sichtbar machen

Als Literaturübersetzerin beschäftigen mich derzeit besonders die Fragen aus Block C. Hier (wie auch in Block B) bohren die verschiedenen Übersetzerverbände noch dicke Bretter. Wichtig ist, dass die Politik uns nicht übersieht. In Deutschland arbeiten viele Menschen voller Ideen und Engagement im eigenen Rhythmus und auf eigene Verantwortung. Wir schaffen dabei jede Menge Mehrwert – zum Beispiel auch den nächsten Bestseller, der dann hoffentlich in jeder Buchhandlung ausliegt.

Die nächste Chance, unsere Arbeit sichtbarer zu machen, ist übrigens der Hieronymustag am 30. September, der dieses Jahr erstmals offiziell als Internationaler Übersetzertag gilt. Also Augen offenhalten und mitmachen, wenn du eine Aktion siehst, die unter Hashtags wie #xl8 für unseren Berufsstand wirbt, besonders aber natürlich für Aktionen zum Übersetzern von Literatur, ob von der Weltlesebühne e. V. oder den verschiedenen Verbänden.

 

Aktuell: Übersetzer leben gefährlich

Wer erinnert sich an Salman Rushdie und seine „Satanischen Verse“? Damals verbreiteten Hassprediger Aufrufe zum Mord an dem Autoren, seinen Übersetzern und seinen Verlegern.

Ähnliche Reaktionen gab es für andere Kulturschaffende im Karikaturenstreit (dänische Mohammed-Karikaturen). Der mit 20 Jahren Berufsverbot belegte Regisseur Jafar Panahi aus dem Iran durfte im Februar 2013 nicht zur Berlinale reisen, um den Preis für seinen heimlich gedrehten Film Pardé („Geschlossener Vorhang“) entgegenzunehmen.

Übersetzer, die akribisch am schriftlichen Ausdruck feilen, bleiben in der Regel eher im Hintergrund und geraten somit selten ins Visier von Fanatikern.

Dolmetscher in Krisengebieten

Ganz anders ergeht es Dolmetschern, die in Kriegs- und Krisengebieten für die mündliche Verständigung sorgen. Bei internationalen Einsätzen wie derzeit in Afghanistan gelten sie bei ihren Landsleuten vielfach als Kollaborateure. Weiterlesen